AKTUELLE LESETIPPS
Elias Bierdel
Ende einer Rettungsfahrt
Das Flüchtlingsdrama der Cap Anamur

Die Rettung von 37 schwarzafrika- nischen Schiffbrüchigen im Mittelmeer durch die "Cap Anamur" löste im Sommer 2004 diplomatische Verwicklungen und weltweite Schlagzeilen aus. Mit exklusiven Dokumenten und Fotos von Bord erzählt Elias Bierdel die wahre Geschichte hinter diesem angeblichen Fall von "Schlepperei", der nach dreijähriger Prozessdauer mit Freispruch endete. [...mehr lesen]


Verlag Ralf Liebe, 232 Seiten, EUR 19,80
ISBN-13: 978-3935221658
Wir haben nichts zu verbergen
Eine Reise auf den Spuren der Flüchtlinge durch Süditalien

"Die unsichtbaren Gesichter der Immigration" nannte eine italiensche Organisation die unbegleiteten Minderjährigen. Zwischen Mai 2008 und Februar 2009 sind auf der Mittelmeer- insel Lampedusa zwischen Sizilien und Tunesien 1.994 Flüchtlingskinder und -jugendliche eingetroffen. Die meisten Minderjährigen, die auf Lampedusa stranden, sind Jungen im Alter von 16 und 17 Jahren. Insgesamt sind acht Prozent aller Flüchtlinge, die jährlich nach langen Seefahrten Italien erreichen, unbegleitete Kinder.
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Lampedusa - Eine Insel ohne Rechte
Lampedusa läuft in Gefahr, zu einer Gefängnisinsel zu werden. Auf der Insel scheinen die Menschenrechte für Lampedusaner wie auch für Flüchtlinge ausgesetzt zu werden. borderline-europe besuchte gemeinsam mit VertreterInnen der sizilianischen Vereine kom-pa.net und Borderline Sicilia im März 2009 die Insel.
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Gabriel del Grande - Mamadous Fahrt in den Tod
Das Sterben an den EU-Außen- grenzen
Tausende Tote rings um die Europäische Union sind den meisten Medien in Deutschland auch weiterhin kaum eine Zeile oder Sendeminute wert. Wir haben uns deshalb entschlossen, selbst eine Zeitschrift herauszubringen, die das EU-Grenzregime und seine tödlichen Folgen zum Inhalt hat.

Das Sonderheft entstand als Abschluß- arbeit im Fach "Gestalten" an der Universität Münster, es ist zum Preis von 5,- Euro ab sofort im Buchhandel oder über unsere Geschäftsstelle zu beziehen. [...mehr lesen]
Gabriel del Grande - Mamadous Fahrt in den Tod
Mamadous Fahrt in den Tod
Der italienische Journalist Gabriele del Grande ist der Spur der "Namenlosen" gefolgt: der Opfer jener täglichen Tragödie an unseren Grenzen, von der die europäische Öffentlichkeit so wenig erfährt. Wer waren diese Menschen, die Schiffbrüchen zum Opfer fielen, aber auch der Hitze der Sahara, Lastwagenunfällen, dem Schnee und der Kälte, den Minenfeldern und den Schüssen der Polizei? Das Buch hat in Italien bereits innerhalb kürzester Zeit für großes Aufsehen gesorgt.
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Das Schweigen brechen

borderline-europe ist als gemeinnütziger Verein unabhängig von politischen Parteien oder Regierungen. Unsere Arbeit ist als Akt des zivilen Widerstands gegen die Abschottung der EU und ihre tödlichen Folgen gedacht. Ziele sind die umfassende Information der Öffentlichkeit, die Vernetzung europäischer Initiativen und die Lobbyarbeit auf nationaler- und EU-Ebene.

Die täglichen Dramen
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09.02.2010, Eckernförder Zeitung

Winterdinner mit Flüchtlingsdrama

"Innerlich regt mich das immer noch sehr auf", sagt Kapitän Stefan Schmidt den über 100 Gästen des 3. Eckernförder Winterdinners zwischen Vorspeise und Wildteller im Stadthallenrestaurant. Der quälend lange, dreijährige Schauprozess in Agrigent auf Sizilien wegen Beihilfe hat Spuren hinterlassen, die keineswegs mit dem Freispruch am 7. Oktober 2009 vergessen sind. Der erfahrene Lübecker Seemann und Kapitän des Hospital- und Hilfsschiffes "Cap Anamur" hat mit seiner Besatzung im Juni 2004 37 afrikanische Bootsflüchtlinge im Mittelmeer vor dem sicheren Tod gerettet.
08.02.2010, Österreichischer Rundfunk

Schlepper und fünf Migranten aufgegriffen

Die Fremdenpolizei hat auf der Südautobahn (A2) bei Laßnitzhöhe einen Schlepper aufgegriffen. Der 30 Jahre alte Türke war mit fünf illegalen Einwanderern in einem veruntreuten Auto im Wert von 40.000 Euro unterwegs. Der Lenker gab an, das Fahrzeug in Deutschland gemietet zu haben, um seine Familie nach Italien zu bringen. Wie die Ermittlungen ergaben, waren dessen 34-jährige Schwester, ihr 32-jähriger Lebensgefährte und drei Kinder zuerst in einem Lkw von der Türkei über Rumänien und Ungarn illegal nach Österreich eingereist; unmittelbar nach der Grenze waren sie dann von dem 30-Jährigen übernommen worden.
08.02.2010, journArles

Mandarinen und Oliven fallen nicht vom Himmel

Manifest der Arbeiter aus Rosarno, Italien: Wir sind die Arbeiter, die gezwungen wurden, Rosarno zu verlassen, nachdem wir unsere Rechte gefordert haben. Wir arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen. Wir lebten in verlassenen Fabrikhallen ohne Wasser und Elektrizität. Unsere Arbeit wurde schlecht bezahlt. Wir haben unsere Schlafplätze jeden Morgen um 6 Uhr verlassen und sind nicht vor 20 Uhr zurück gekommen für 25 Euro, die nicht immer in unseren Taschen landeten.Manchmal schafften wir es nicht einmal, nach einem Tag harter Arbeit überhaupt bezahlt zu werden. Wir kehrten mit leeren Händen zurück, die Körper gebeugt vor Müdigkeit. Wir waren seit mehreren Jahren Objekte von Diskriminierungen, Ausbeutung und Belästigungen jeglicher Art. (Manifest in franz. Sprache, deutsch abrufbar mail@borderline-europe.de)
08.02.2010, glocalist.com

"Ein Manifest der Menschlichkeit"

Worüber einer Gesellschaft Bericht erstattet wird, ist eine Form der Erziehung. Womöglich die dezenteste. Was lernt ein Jugendlicher über den Wert des Menschen aus der Presse? Was ihm vorgelebt wird, ist dies: dass 13 Tote in Amerika „irgendwie“ mehr wert sind als 130 Tote in Guinea. Dass der Tod eines bis dato völlig unbekannten und unbedeutenden Nationalspielers der Fußballmannschaft „irgendwie“ berichtenswerter ist als der Tod von 100 Menschen am Tag, die vor der „Festung Europa“ ertrinken.
07.02.2010, Agence France Presse

Calais: Polizei räumt illegales Flüchtlingsgebäude

Die französische Polizei hat ein von Flüchtlingen besetztes Gebäude in Calais in Nordfrankreich geräumt. Die Polizisten seien gewaltsam in das Gebäude eingedrungen, sagte eine Aktivistin des globalisierungskritischen Netzwerks No Border. In der Nacht zum Sonntag hatten rund 90 vor allem afghanische Flüchtlinge sowie 20 Aktivisten sich in dem Gebäude eingerichtet. Es war vor einigen Wochen von der Organisation SOS gemietet worden, die ihrerseits No Border erlaubt hatte, Flüchtlingen dort Unterschlupf zu gewähren.
07.02.2010, ana

Griechenland: FRONTEX-Abkommen mit der Türkei

Die griechische Regierung erklärte am Donnerstag, dass sie Vereinbarungen zwischen Frontex und der Türkei nicht akzeptieren wird, solange nicht klargestellt wird, dass die griechischen Grenzen auch EU Grenzen sind. (in englischer Sprache)
06.02.2010, DIE WELT

"Tests für Einwanderer? Bürokratisch"

Interview mit dem Regisseur Philippe Lioret: "Was halten Sie vom Vorschlag des französischen Immigrationsministers Eric Besson, dass junge Menschen zu ihrem 18. Lebensjahr eine Art Treueschwur auf die französische Republik ablegen sollen?" LIORET: "Wir haben wichtigere Probleme. In Paris sind gerade 1000 Afghanen vom Kältetod bedroht. Und wir wissen nicht, ob wir sie nicht vielleicht zurückschicken sollen, damit ihnen die Taliban eine Kugel in den Kopf jagen können... Ein schriftliches Bekenntnis? Das ist populistisches Technokratengeschwätz! Das erinnert mich daran, wie in Großbritannien unter Margaret Thatcher Immigranten für den Anerkennungsprozess wissen mussten, woraus sich Porridge zusammensetzt und welche Titel die Königin hat."
06.02.2010, Tagesspiegel

Der Schwimmer

Im „Dschungel von Calais“ hausen die Flüchtlinge in Büschen nahe der Hafenzone. Ohne Versorgung und Hygiene. Stattdessen brutale Übergriffe einer Polizei, die jede Art von Hilfe unterbindet. Und Kontrolleure, die LKWs mit Detektoren auf Migranten untersuchen. „Ich habe den Eindruck, wir befinden uns im Jahr 1943 und wir haben einen Juden im Keller versteckt“, sagte Philippe Lioret, nachdem er die Grenzanlagen gesehen hatte.
05.02.2010, Africa News

Ägypten: Polizei tötet zwei Migranten

Die ägyptische Grenzpolizei tötete zwei afrikanische Migranten, die versuchten, durch die Sinai-Grenze nach Israel zu entkommen. Damit wurden in dieser Woche schon vier Migranten erschossen. (in englischer Sprache)
05.02.2010, Evangelischer Pressedienst

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Auch für Kinder und Jugendliche, die sich aus Kriegs- und Krisengebieten alleine aufmachen, sind Europas Außengrenzen fest verschlossen. Doch selbst wenn es ihnen gelungen ist, einen sicheren EU-Staat zu erreichen, wird ihnen hier selten der Schutz gewährt, der ihnen laut UN-Kinderrechtskonvention zusteht. Auch in Deutschland besteht dringender Reformbedarf, sagen Experten.
05.02.2010, Zisch

Drogen: Hausarrest für viele Asylbewerber

Das Luzerner Amt für Migration hat im letzten Jahr in 128 Fällen Hausarrest erteilt. Fast die Hälfte davon wegen mutmasslichen Drogendeals. Deswegen sei längst nicht jeder Bewohner des Sonnenhofes in Emmenbrücke ein Drogendealer, stellt Thomas Thali, Geschäftsführer von Caritas Luzern, klar. Eine Zeit lang sei das Thema aktuell, dann wieder überhaupt nicht. Dies hänge stark von den Hausbewohnern ab.
04.02.2010, Jungle World

"Da bleibt ein Effekt"

Philippe Liorets neuer Film »Welcome« entfachte in Frankreich eine Kontroverse über ein Gesetz, das es verbietet, illegalisierten Migranten zu helfen. Der Film erzählt die Geschichte des jungen Kurden Bilal (Firat Ayverdi), der am Hafen von Calais mit vielen anderen illegalen Migranten versucht, nach England zu gelangen. Bilal beschließt, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Beim Training hilft ihm der Schwimmlehrer Simon (Vincent Lindon), der deshalb von der Polizei verfolgt wird. In Deutschland kommt »Welcome« am 4. Februar ins Kino
04.02.2010, fm4

"Keine Chance zu überleben"

Jovan Mirilo im Interview: Er soll mitgeholfen haben, ein wichtiges Beweisstück für die Verbrechen von Srebrenica vor Gericht zu bringen. Jetzt wollen die Behörden den 45jährigen und seine Familie nach Serbien abschieben. Dort sieht er sich von einem Racheakt bedroht - "Ich habe keine Chance zu überleben", so Mirilo. UN-Menschenrechtsexperte Manfred Novak bestätigt diese Befürchtung. "Ihm droht Gefahr aus der organisierten Kriminalität, von Paramilitärs und Expolizisten", hat er gegenüber dem Falter erklärt. "Was hier betrieben wird, ist Rufmord. Jovan Mirilo ist politischer Flüchtling im engsten Sinne", ist Amnesty-Generalsekretär Heinz Patzelt überzeugt.
04.02.2010, Neues Deutschland

Staatlich verweigerte Menschenwürde

Die internationale Organisation »Ärzte ohne Grenzen« hat einen Bericht über die Lage in den italienischen Auffang- und Abschiebelagern für Migranten veröffentlicht. Die Ergebnisse sind verheerend: Oft werden auch die minimalen Standards der Menschenwürde nicht respektiert. »Selbst wenn man ein Tierheim eröffnen will, muss man eine Genehmigung von Seiten der Gesundheitsbehörde vorlegen. In den italienischen Strukturen, in denen Migranten aufgenommen und identifiziert werden, wo man beschließt, ob sie ein Recht auf Asyl haben oder eventuell ausgewiesen werden müssen, ist das nicht der Fall.« Die Vertreter der Organisation »Ärzte ohne Grenzen« sind entsetzt. Und für ihr vernichtendes Urteil geben sie natürlich auch Beispiele.