Die täglichen Dramen

Artikel aus 04.2009

30.04.2009, Wiener Zeitung

Italiens verlorene Flüchtlingskinder

In Italien wächst die Sorge über die große Zahl minderjähriger Flüchtlinge, die auf Lampedusa eintreffen und dann untertauchen. Zwischen Mai 2008 und Februar 2009 sind auf der Mittelmeerinsel zwischen Sizilien und Tunesien 1994 Flüchtlinge unter 18 Jahren eingetroffen. 1119 davon sind laut der Hilfsorganisation "Save the Children Italia" untergetaucht.

30.04.2009, swissfot.ch

Haiti: Stundenlang warten auf eine warme Suppe

Wieder wurden 30.000 haïtianische Einwanderer in den Vereinigten Staaten samt ihren Familien in ihre Heimat abgeschoben. Kriegsschiffsweise werden Bootsflüchtlinge nach Port-au-Prince zurückgeschafft, wo sie die Probleme der Übervölkerung, der Arbeitslosigkeit und des Hungers noch verstärken. Sie verfügen nicht einmal über die Mittel, in ihre ursprüngliche Herkunftsgegend zurückzufahren, wo sie eher noch Arbeit und Essen finden könnten.

29.04.2009, Christian Science Monitor

lager in patras soll niedergerissen werden

Wie die US-Zeitung "Christian Science Monitor" berichtet, leben im griechischen Patras 2.000 afghanische Flüchtlinge in selbstgebauten Slumhütten. Der griechische Innenminister Pavlopoulos sieht Sicherheits- und Hygienestandards durch den Slum gefährdet und hat angekündigt, ihn noch vor Beginn der Urlaubssaison niederzureißen und die Menschen in alten Militärbaracken außerhalb der Stadt unterzubringen. Die meisten der Migranten wollen dabei eigentlich in andere EU-Länder weiterreisen, was die Regelungen der EU allerdings verhindern. (Artikel in englischer Sprache)

29.04.2009, Saarbrücker Zeitung

Bundespolizei kontrolliert im ICE bis nach Paris

Der Schwerpunkt der Streife, die von je drei SNPF-Beamten und zwei Bundespolizisten gebildet wird, gilt der Bekämpfung illegaler Einwanderung und der Schleusernetze. Bereits seit Ende 2006 sind auf grenzüberschreitenden Bahnstrecken im Saarland, in Lothringen sowie in Baden-Württemberg und dem Département Bas-Rhin gemischte Streifen unterwegs. Im Jahr 2008 haben sie insgesamt 376 Personen aufgegriffen, davon 246 wegen Verstößen gegen das Ausländerrecht.

29.04.2009, Junge Welt

Jutta Ditfurth: Die große Wut

Vorabdruck aus dem Buch »Zeit des Zorns. Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft«: "Sie ist so riesengroß, die Zahl von Menschen, die in Afrika an Krieg, Hunger und AIDS sterben, so unvorstellbar das Ausmaß, in dem sie ohne Bildung bleiben, Sklavenarbeit leisten, so mächtig die Gewalt, die ihren Freiheitsdrang und ihre Zukunfts- hoffnung an den Sicherheitszäunen der EU zerschellen läßt. Wenn sie »Glück« haben, landen sie lebend in Auffanglagern in Afrika oder Europa, für die auch Deutschland viel Geld ausgibt. Sie ertrinken in Scharen im Mittelmeer, gejagt von Frontex-Schiffen, auf denen auch deutsche Bundespolizisten Dienst tun."

29.04.2009, tagesschau.de

Zahl der Einbürgerungen geht drastisch zurück

Nach der Einführung strengerer Anforderungen für einen deutschen Pass ist die Zahl der Einbürgerungen einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge im vergangenen Jahr drastisch zurückgegangen. Das Blatt beruft sich dabei auf Antworten auf Parlaments-Anfragen der Linkspartei und Anfrangen bei einzelnen Ländern von einem Rückgang um mindestens 15 Prozent. Die neun Länder, die bereits Daten herausgeben würden, verzeichneten deutlich weniger Neu-Bürger.

28.04.2009, Bieler Tagblatt

Paris und Madrid kooperieren bei Sicherheit

Frankreich und Spanien wollen bei der Bekämpfung von Terrorismus, des organisierten Verbrechens und der illegalen Immigration enger zusammenarbeiten. Dies sieht ein Abkommen vor, das in Madrid unterzeichnet wurde. Zur Bekämpfung der illegalen Zuwanderung wollen beide Länder gemeinsame Polizeiaktionen zur Zerschlagung von Schlepperbanden und zur Festnahme von "Illegalen" vornehmen. Paris und Madrid kamen ferner überein, gemeinsame Flüge zur Rückführung illegaler Einwanderer in deren Heimatländer zu organisieren.

28.04.2009, Hacktivist News Service

Türkei: Flüchtlinge erhalten keinen Schutz

Asylsuchende, die an der türkischen Grenze ankommen, befinden sich immer häufiger in Lebensgefahr, da die türkischen Behörden ihnen keinen Schutz gewähren, so der neue Bericht von amnesty international mit dem Titel „Stranded: Refugees in Turkey denied protection“. Der Bericht ist am 22. April erschienen und legt die Hindernisse für Flüchtlinge in der Türkei dar. Oft werden sie unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert, ohne genügend Nahrung, ohne rechtliche Grundlage. (Artikel in franz. Sprache)

28.04.2009, Südtirol online

Italien: Flüchtlingskinder tauchen unter

In Italien wächst die Sorge über die große Zahl minderjähriger Flüchtlinge, die auf Lampedusa eintreffen und dann untertauchen. Zwischen Mai 2008 und Februar 2009 sind auf der Mittelmeerinsel zwischen Sizilien und Tunesien 1.994 Flüchtlingskinder und -jugendliche eingetroffen. 1.119 davon tauchten unter, berichtete die humanitäre Organisation „Save the Children Italia“. Die Minderjährigen werden vorübergehend Familien oder Einrichtungen anvertraut, verschwinden jedoch oft nach wenigen Tagen. Vor allem Jugendliche aus Ägypten, Somalia und Eritrea tauchen unter.

28.04.2009, taz

PRO ASYL: "Freien Zugang gewähren"

PRO-ASYL-Europareferent Karl Kopp im Interview zur Lage von Flüchtlingen in Griechenland: "Die martialische Abschreckungspolitik führt nicht dazu, dass niemand mehr kommt, sondern dazu, dass die Wege nach Europa immer gefährlicher werden. Man kann Flüchtlinge nicht mit militärischen Mitteln davon abhalten, ein menschenwürdiges Leben zu suchen. Die Lösung wäre, den Schutzsuchenden einen gefahrenfreien Zugang zu gewähren. An den europäischen Grenzen findet jedoch ein Krieg gegen Bootsflüchtlinge statt."

27.04.2009, Deutschlandfunk

Gestorben durch die Wirren politischen Tauziehens

Der Frachter "Pinar" mit 140 Flüchtlingen an Bord fand jüngst weder auf Malta noch in Italien einen Hafen. Eine hochschwangere Frau überlebte das diplomatische Tauziehen der Länder um die Verantwortung für die Menschen nicht. Heute werden sich die EU-Außenminister mit dem Thema beschäftigen. Unterdessen wurde auf Lampedusa die junge Frau zu Grabe getragen.

27.04.2009, FAZ.net

Jemen: Kein Glück am anderen Ende des Meeres

Fartun ist der Hölle entkommen. Sie lebt, sie hatte Glück. Jemenitische Fischer haben sie und ihre drei Kinder gerettet. Erst ein paar Tage ist es her. Das überladene Boot war zwei Nächte und einen Tag unterwegs. Keiner der somalischen Flüchtlinge hatte sich bewegen dürfen. Das hätte das kleine Boot zum Kentern gebracht. Bei jeder Bewegung schlug der Schleuser hemmungslos auf sie ein. Endlich näherten sie sich der rettenden Küste. Ein Boot der jemenitischen Küstenwache tauchte auf.

27.04.2009, Reuters

Lybien stoppt Flüchtlingsboot

Die lybische Küstenwache hat 200 MigrantInnen aufgehalten, nachdem das Boot gerade in Tajurca in der Nähe von Tripolis gestartet war. Libyen hatte im Februar einen Vertrag mit Italien unterzeichnet, der die illegale Migration eindämmen soll. "Wir haben das Boot gestoppt und nach Lybien zurückgelenkt, die Migranten wurden notversorgt", so ein Beamter der Küstenwache. Die Flüchtlingen kommen laut Aussage eines anderen Beamten aus Niger, Nigeria, Ghana und Mali. Die Beamten konnten nicht sagen, was nun mit den Flüchtlingen passiert.

27.04.2009, WAZ

Griechenland will Flüchtlingslager in Patras auflösen

Seit über zehn Jahren hausen tausende illegale Einwanderer unter menschenunwürdigen Bedingungen in einem Slum am Rand der westgriechischen Stadt Patras. Jetzt will das griechische Innenministerium dem Elend ein Ende machen, das derzeit besonders die Kinder im Lager betrifft. Griechenland will sein Flüchtlingslager in Patras auflösen. Die Flüchtlinge, überwiegend Afghanen, die illegal aus der Türkei nach Griechenland kamen und von Patras als blinde Passagiere nach Italien überzusetzen hoffen, sollen in einer Kaserne untergebracht, verpflegt und medizinisch betreut werden.

25.04.2009, FOCUS Online

Afrikanische Bootsflüchtlinge an Küste aufgegriffen

Der spanische Zivilschutz hat an der Küste des Landes mehr als 120 afrikanische Flüchtlinge aufgegriffen. Nach Behördenangaben vom Freitag griffen die Beamten am Vorabend 92 mutmaßliche Algerier auf, die sich in fünf Booten der Küste der andalusischen Provinz Almeria näherten. Unter den Flüchtlingen waren demnach sechs Frauen und fünf Kinder. Zeitgleich wurden am Strand von Lujar in der ebenfalls andalusischen Provinz Granada 36 illegale Einwanderer in Gewahrsam genommen. Die Beamten waren durch Überwachungs- kameras auf die aus Marokko stammenden Flüchtlinge aufmerksam geworden.

25.04.2009, Fortress Europe

Flüchtlinge aus Lampedusa frei

700 tunesische und marokkanische Migranten, die seit Dezember 2008 in Lampedusa in Haft sitzen, sind freigelassen worden. Das Dekret 11/2009, dass die Haftverlängerung über die vormals üblichen 60 Tage hinaus zuließ (bis zu 6 Monaten), läuft am 26.4. ab und die Regelung ist nicht in einen neuen Gesetzestext übernommen worden. Die Transfers haben schon am 22. April begonnen, 121 Personen sind mit dem Flugzeug nach Rom und Crotone ausgeflogen worden, wo sie mit einem "foglio di via" - sie müssen Italien in 5 Tagen verlassen - frei gelassen wurden. Weitere Flüge stehen auch in den Norden an. (Artikel in ital. Sprache).

24.04.2009, Radio Vatikan

"Cap Anamur": Helfer, nicht Kriminelle

Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“ hat eine „Kriminalisierung“ humanitärer Hilfe für schiffbrüchige Flüchtlinge beklagt. Die Ökumenische Organisation kritisierte am Donnerstag in Berlin den italienischen Gerichtsprozess im Fall „Cap Anamur“. Sie warf der italienischen Justiz eine „skandalöse Verdrehung“ von Tatsachen vor. Die „Cap Anamur“ hatte im Juni 2004 im Mittelmeer zwischen Malta und der italienischen Insel Lampedusa 37 Migranten aus Afrika an Bord genommen. Der Bergung folgte ein tagelanges Tauziehen mit den italienischen Behörden. Nach deren Einschätzung war die „Cap Anamur“ zum Zeitpunkt der Aufnahme der Flüchtlinge näher an Malta und hätte deshalb diese Insel anlaufen müssen.

24.04.2009, Kathimerini, Athen

Agathonissi bekommt eigenen Küstenwacht-Kreuzer

Die Bevölkerung der kleinen Ägäis-Insel Agathonissi, wo seit Januar viele Flüchtlinge angekommen sind, hat die Ankündigung begrüßt, daß die Regierung eine Küstenwachtstation mit 26 Mitarbeitern auf der Insel errichten will. Bürgermeister Evangelos Kottoros forderte jedoch, auch eine Lösung für die 96 auf der Insel verbleibenden Flüchtlinge zu finden. Versuche, sie ins Aufnahmelager nach Patmos zu bringen, seien gescheitert. Einige der Gestrandeten seien ohne Obdach und Nahrung. (Artikel in englischer Sprache)

24.04.2009, Südtirol.Online

Italien: Zahl der Bootsflüchtlinge verdoppelt

Seit Jahresbeginn sind über 6.000 Menschen über das Meer nach Süditalien gelangt, das sind doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum 2008, teilte das Innenministerium am Freitag mit. Dabei war im Jahr 2008 bereits ein Rekordhoch von 36.952 Migranten gemeldet worden, 2007 waren es 20.455 gewesen.

24.04.2009, Agence France Presse

Andalusien: über 120 Bootsflüchtlinge aufgegriffen

Der spanische Zivilschutz hat an der Küste des Landes mehr als 120 afrikanische Flüchtlinge aufgegriffen. Nach Behördenangaben griffen die Beamten am Vorabend 92 mutmaßliche Algerier auf, die sich in fünf Booten der Küste der andalusischen Provinz Almeria näherten. Unter den Flüchtlingen waren demnach sechs Frauen und fünf Kinder. Zeitgleich wurden am Strand von Lujar in der ebenfalls andalusischen Provinz Granada 36 illegale Einwanderer in Gewahrsam genommen.

24.04.2009, Romandie news

Ärzte ohne Grenzen wieder auf Lampedusa

Die Nichtregierungsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) darf wieder auf Lampedusa arbeiten, wie am Donnerstag bekannt wurde. Das sei den vielen Ankünften auf der Insel geschuldet. Die italienische Regierung hatte den Vertrag mit der NGO letztes Jahr ausgesetzt. Am 7. April hat MSF seinen Dienst wieder aufgenommen. Es gebe einen Vertrag bis zum 31.12.2009 mit dem Innenministerium. Das Team besteht aus zwei Ärzten, zwei Krankenschwestern und einem Sprachmittler. Es arbeitet rund um die Uhr und ist verantwortlich für die Erstuntersuchung bei der Ankunft. (Artikel in franz. Sprache)

24.04.2009, taz

"Cap Anamur": Flüchtlingshelfer sollen in Haft

Vier Jahre Haft für Elias Bierdel und Stefan Schmidt, dazu je 400.000 Euro Geldstrafe: Dies ist der Antrag der Staatsanwaltschaft von Agrigent im Prozess um den Rettungseinsatz der "Cap Anamur" im Sommer 2004. Schmidt, Kapitän des Schiffs, und Bierdel, der damalige Vorsitzende des gleichnamigen Hilfsvereins, hätten sich der gewerbsmäßigen Schleuserei schuldig gemacht, behaupteten die Staatsanwälte in ihrem Plädoyer am Mittwoch. Voraussichtlich am 20. Mai soll das Urteil in dem seit 2006 laufenden Prozess kommen.

23.04.2009, HNA

Eine andere Welt

"Unser Kompass war kaputt, deshalb sind wir in eine völlig falsche Richtung gefahren", erzählt Le-Thuy. Aber das war Glück im Unglück, denn so ist das Flüchtlingsboot nach 22 Stunden auf See auf die deutsche Kap Anamur gestoßen, die in vietnamesischen Gewässern kreuzte, um Flüchtlinge aufzunehmen. Die Kap Anamur brachte die ganze Besatzung in ein Flüchtlingslager auf die Phillipinen.

23.04.2009, Südtirol.Online

Flüchtlinge blockieren Mailänder Möbelmesse

Rund 150 Flüchtlinge aus Afrika haben auf der Mailänder Möbel- und Designmesse für Aufruhr gesorgt. Die Afrikaner blockierten mit Sitzblockaden einen Teil des in ganz Mailand stattfindenden „Fuori Salone“. Der Protest habe am Mittwoch zahlreiche Touristen von der internationalen Messe und Geschäften im Zentrum ferngehalten, protestierten Anwohner. Die Flüchtlinge, von denen viele von der Polizei kürzlich aus besetzten Häusern vertrieben worden waren, forderten Wohnung und Arbeit.

23.04.2009, dts

35 Flüchtlinge ertrinken in Golf von Aden

Im Golf von Aden sind heute Nachmittag 35 Flüchtlinge ertrunken. Wie ein Sprecher der Flüchtlingsbehörde der Vereinten Nationen mitteilte, war das Boot mit 117 Migranten aus Somalia auf dem Golf von Aden unterwegs, als das Boot aus bisher unbekannten Gründen kenterte. Von 35 Passagieren konnten nur noch die Leichen geborgen werden, während der Rest der Flüchtlinge gerettet werden konnte.

22.04.2009, Die Welt

Migranten in der EU fühlen sich stark diskriminiert

Einwanderer in der Europäischen Union fühlen sich von der Gesellschaft an den Rand gedrängt. Eine länderübergreifende Studie der EU-Agentur für Grundrechte belegt dieses Phänomen jetzt erstmals mit Zahlen. Demnach fühlen sich Nordafrikaner vor allem in Italien diskriminiert. Deutschland schneidet erstaunlich gut ab.

21.04.2009, Der Standard

Italien: EU-Flüchtlingspolitik ist gescheitert

Nachdem Italien am Montag 120 Flüchtlinge aufgenommen hat, die von einem türkischen Frachter aus maltesischen Gewässern gerettet worden waren, tobt weiterhin eine heftige Auseinandersetzung zwischen Rom und Malta über die Migrationspolitik. Der italienische Innenminister Maroni beschuldigte Malta erneut, den Flüchtlingen nicht die im Europäischen Protokoll "Search and Rescue" verlangte Hilfe gewährt zu haben, sondern sie stattdessen weiter in die Gewässer vor Sizilien treiben gelassen zu haben, um sich jeder Verantwortung zu entziehen. Daraufhin habe Italien einzig wegen eines "humanitären Notstandes" beschlossen, die Flüchtlinge aufzunehmen. Maroni will nun das Thema in Brüssel klären lassen.

21.04.2009, Hamburger Abendblatt

Italien: Ende einer Irrfahrt

Sie haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um Europa, Endstation ihrer Sehnsucht, zu erreichen. Nicht selten wird die waghalsige Fahrt der afrikanischen Flüchtlinge über das Meer zur Reise in den Tod. Jetzt haben 140 Bootsflüchtlinge, die von dem türkischen Schiff "Pinar" gerettet worden waren, nach der Seenot auch ein diplomatisches Tauziehen überstanden. Italien hat die Verzweifelten aufgenommen.

20.04.2009, Schweizer Fernsehen

Bootsflüchtlinge gehen in Sizilien an Land

Der türkische Frachter «Pinar», der mit etwa 140 Flüchtlingen an Bord tagelang im Mittelmeer festsass, ist in der sizilianischen Hafenstadt Porto Empedocle eingetroffen. Die Behörden begleiteten zunächst etwa 30 Menschen von Bord. Die verbleibenden Passagiere sollten im Laufe des Tages an Land gebracht werden, sagte ein Sprecher der Hafenbehörde. Über die Nationalität der Flüchtlinge lagen keine Informationen vor. Die «Pinar» hatte die Menschen am Donnerstag vor Lampedusa aus Seenot gerettet, eine Frau wurde tot geborgen.

20.04.2009, Reuters

Italien lässt Schiff mit 140 Flüchtlingen anlegen

Nach viertägigen Verhandlungen darf ein Frachter mit 140 Flüchtlingen an Bord in Italien anlegen. Zuvor hatte es einen erbitterten Streit zwischen Italien und Malta gegeben, welches Land für die Immigranten zuständig ist. Italien stimmte der Aufnahme am Sonntagabend "aus humanitären Gründen zu". Zuvor habe EU-Kommissions-Präsident Jose Manuel Barroso mit Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und dessen maltesischen Amtskollegen Lawrence Gonzi gesprochen, erklärte der italienische Außenminister Franco Frattini.

19.04.2009, SPIEGEL Online

"Pinar" erinnert an Flüchtlingsdrama um "Cap Anamur"

Seit Tagen harren mehr als hundert Flüchtlinge auf einem türkischen Frachter im Mittelmeer aus - weil weder Italien noch Malta die Immigranten aufnehmen wollen. Nun schlägt der Kapitän des Schiffes Alarm: Das Wetter verschlechtert sich, Lebensmittel werden knapp, und es droht eine Epidemie. Der Fall der "Pinar" erinnert an das deutsche Schiff "Cap Anamur", das 2004 im Mittelmeer in internationalen Gewässern 37 Flüchtlinge aufgenommen hatte. Es musste 21 Tage warten, bis es nach einem Streit über die Zuständigkeit Porto Empedocle auf Sizilien ansteuern konnte.

18.04.2009, Der Tagessspiegel

Flüchtlinge: Die griechische Überfahrt

Jeden Abend sitzen sie am Kai der Hafenstadt Patras, junge Männer aus Afghanistan. Sie hoffen, dass sie sich an Bord einer Fähre nach Italien schmuggeln können. Eine Hoffnung, die immer öfter enttäuscht wird. Europa wehrt sich gegen Flüchtlinge.

18.04.2009, La Repubblica

300 Flüchtlinge in der Nähe von Sizilien gerettet

Ein Boot mit ca. 300 Flüchtlingen, unter ihnen auch Frauen und Kinder, wurden in der Nähe der südsizilian. Küstenstadt Pozzallo gerettet. Küstenwache und Zoll haben 26 sofort nach Pozzallo gebracht, die anderen Flüchtlinge sind noch auf dem Boot und werden nach Pozzallo geschleppt. Der türkische Frachter PINAR E, der vor zwei Tagen 154 Flüchtlinge gerettet hat, liegt 25 Seemeilen vor Lampedusa und darf keinen italienischen Hafen anlaufen. (Artikel in ital. Sprache)

18.04.2009, ASGI

ASGI: Schiffbrüchige auf der PINAR sofort retten

Die Vereinigung der juristischen Studien zur Migration (ASGI), die sich aus italienischen RechtsanwältInnen zuasmmensetzt , drückt ihre große Sorge über die Entscheidung der italienischen Regierung aus, die 154 Schiffbrüchigen auf dem türkischen Handelsschiff PINAR E nicht nach Italien einreisen zu lassen. Italien muss die Migranten aufnehmen, denn wenn das Schiff mit ihnen weiter nach Tunesien fährt, was das ursprüngliche Ziel war, dann, so ASGI, handelt es sich um eine kollektive Zurückschiebung, wie man es auch 2004 mit dem deutschen Schiff Cap Anamur versuchte. (Artikel in ital. Sprache)

17.04.2009, NZZ Online

Italien und Malta streiten wegen Flüchtlingen

Weil Italien und Malta streiten, müssen mehr als 150 Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer ausharren. Ein türkisches Handelsschiff hatte am Donnerstag die Passagiere von zwei kleinen Booten an Bord aufgenommen. Ein Flüchtling verstarb während der Überfahrt.

17.04.2009, Die Zeit

Odyssee: Flüchtlinge irren übers Mittelmeer

Ein türkisches Containerschiff hat im Mittelmeer 154 Bootsflüchtlinge aufgenommen, konnte aber zunächst weder Malta noch die italienische Insel Lampedusa ansteuern. An der Grenze der Hoheitsgewässer von Malta und Italien wartete das Schiff Pinar darauf, in einen Hafen einlaufen zu dürfen. Mehrere Ärzte wurden per Helikopter zu dem Schiff geflogen, weil die Bootsflüchtlinge den Berichten zufolge unter der Überfahrt von Nordafrika sehr gelitten hatten, sogar ein toter Flüchtling soll sich an Bord befinden.

17.04.2009, Times of Malta

Lager auf Malta "Anschlag auf die Menschlichkeit"

Die internationale Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) hat die Zustände in den maltesischen Flüchtlingslagern hart kritisiert. Vor dem Menschenrechtsausschuß des EU-Parlaments bezeichnete MSF-Sprecher Antonio Virgilio die Lage dort als "erschreckend" und "Anschlag auf die Menschlichkeit". Der in Brüssel vorgelegte Bericht kritisiert vor allem die langen Haftzeiten und die hygienischen Bedingungen für Flüchtlinge auf Malta. (Artikel in englischer Sprache)

17.04.2009, Der Standard, Wien

Piraten benutzen Flüchtlinge als Schutzschilde

Im Golf von Aden herrscht in diesen Tagen reger Verkehr. Von den überfüllten Booten der Menschenschmuggler, die Nacht für Nacht Bürgerkriegs- und Armutsflüchtlinge aus Afrika an die jemenitische Küste bringen, nimmt dabei kaum jemand Notiz. Dass viele Kapitäne wegschauen, wenn sie die oft kaum seetüchtigen Flüchtlingsboote sehen, kommt den Piraten entgegen. Sie haben damit begonnen, die Flüchtlinge als menschliche Schutzschilde zu benutzen.

17.04.2009, shz.de

Lübecker Kapitän in den Mühlen der italienischen Justiz

Der Lübecker Kapitän Stefan Schmidt, einst Chef der "Cap Anamur", muss sich seit zwei Jahren vor Gericht rechtfertigen. Nächster Termin: Der 22. April. Menschen in Seenot werden gerettet - für Stefan Schmidt, den ehemaligen Kapitän des Lübecker Frachters "Cap Anamur", ist das eine klare Sache. Er selbst hat vor knapp fünf Jahren 37 afrikanische Flüchtlinge vor dem sicheren Tod gerettet. Dafür steht er in Italien seit zwei Jahren wegen "Schlepperei" in einem Prozess vor Gericht, der wenig Substanz hat, aber viel Geld kostet.

17.04.2009, Islamische Zeitung

Flüchtlingstragödie im Golf von Aden

Auf eine weitgehend unbeachtete Flüchtlingstragödie im Schatten von Lampedusa hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Freitag hingewiesen: Mit zumeist seeuntüchtigen Booten sind von Januar 2007 bis heute mehr als 97.000 Menschen aus Nordostafrika über den Golf von Aden in den Jemen geflohen. Dabei seien nach Angaben des Hochkommissars für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) mindestens 2.460 dieser Boatpeople ertrunken oder auf andere Weise zu Tode gekommen. Die meisten Flüchtlinge stammten aus Somalia, ein Teil aus Äthiopien, berichtete die Menschenrechtsorganisation.

16.04.2009, Deutsche Welle

500 Flüchtlinge vor Lampedusa aufgegriffen

Vor der süditalienischen Insel Lampedusa sind mindestens 500 Bootsflüchtlinge aus Afrika aufgegriffen worden. Wie die Küstenwache mitteilte, befanden sich die Flüchtlinge auf mehreren Booten. Ein Teil der Immigranten solle nach der Feststellung ihrer Personalien in ein Auffangzentrum in Porto Empedolcle auf Sizilien gebracht werden, sagte der Bürgermeister von Lampedusa, Bernardino De Rubeis.

16.04.2009, Bild.de

Lampedusa: wieder Hunderte angelandet

Binnen weniger Stunden strandeten 343 Bootsflüchtlinge auf der Insel Lampedusa. Laut italienischen Medienberichten erreichte am frühen Morgen ein Kahn mit 239 Immigranten die nur 20 Quadratkilometer große Insel zwischen Afrika und Sizilien. Neben zahlreichen Nord- Afrikanern, darunter 45 Frauen und zwei Kindern, waren auch zwei Chinesen im Boot. Später brachte die Küstenwache noch zwei weitere überfüllte Boote in Sicherheit - mit 62 bzw. 42 Menschen an Bord.

16.04.2009, Human Rights Watch

Eritrea: Unterdrückung führt zu Menschenrechtskrise

Weitreichende Inhaftierung und Folter sowie die extrem lange Wehrpflicht führen in Eritrea zu einer Menschenrechtskrise und immer mehr Eritreer verlassen deshalb ihr Land, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht. Zu den Menschenrechts- verletzungen zählen willkürliche Festnahmen, Folter, schreckliche Haftbedingungen, Zwangsarbeit und schwerwiegende Einschränkungen der Bewegungs-, Meinungs- und Glaubensfreiheit. In dem Bericht wird zudem die schwierige Situation der Eritreer untersucht, die in andere Länder wie Libyen, Sudan, Ägypten und Italien flüchten konnten.

16.04.2009, 20min.online

SVP fordert: Schweiz soll Grenzschutz ausbauen

In einem Zehn-Punkte-Programm forderte der Nationalrat der rechtskonservativen Volkspartei, Hans Fehr, vorläufig Aufgenommene von der Sozialhilfe auszuschliessen und auf Nothilfe zu setzen. 200 bis 300 zusätzliche Grenzwächter sollten im Tessin dafür sorgen, dass der Strom der Asylsuchenden aus Lampedusa eingedämmt werde. «Papierlose» dürften nicht legalisiert werden.

16.04.2009, Bild.de

Australien: Explosion auf Flüchtlingsboot

Bei einer Explosion auf einem Flüchtlingsboot sindvor der Küste Australiens mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Das Unglück passierte, während das Boot von der Marine zu einem Flüchtlingslager auf der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel eskortiert wurde, berichtete die Polizei . Zwei Menschen werden vermisst, zahlreiche andere wurden verletzt. Die Marine hatte das Boot, das aus Indonesien kam, am Mittwoch vor der Westküste Australiens entdeckt. An Bord waren 49 Flüchtlinge, wahrscheinlich aus Afghanistan.

15.04.2009, Fortress Europe

Fortress Europe: Die Toten im März

Die Zahl der Migrationsopfer entlang der europäischen Außengrenzen im Monat März betrug mindestens 316. Diese Zahl beruht auf Presseberichten und ist noch ungewiss, da die Nachrichten über das letzte Unglück in Libyen noch widersprüchlich sind. Während Reuters libysche Quellen zitiert, die von 100 aufgefundenen Toten und 245 im Meer Vermissten sprechen, erwähnt das IOM - Büro in Tripoli 20 Tote und 210 Vermisste. (Ganzer Bericht in deutsch unter News).

15.04.2009, Basler Zeitung

Somalia/Jemen: Der vergessene Flüchtlingsexodus

Der Flüchtlingsexodus aus Somalia findet von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet statt. 260 Schiffe mit 13'240 Flüchtlingen haben seit Januar die jemenitische Küste erreicht. Im letzten Jahr waren es rund 50'000 Menschen. Die meisten unter ihnen brechen in der somalischen Hafenstadt Bossasso auf. Seit dem vergangenen Dezember hat der Jemen die Küstenpatrouillen verschärft, was laut Uno-Angaben 600 Menschen mit dem Tod bezahlt haben. Die Schmuggler werfen die Flüchtlinge aus den Booten, oder diese springen über Bord und versuchen, an Land zu schwimmen.

14.04.2009, Kanal8

Bundespolizisten vereiteln Schleusung

Die Bundespolizei hat am Karfreitag im Bereich Selb einen Vietnamesen wegen des Verdachts der Schleusung festgenommen. In dem von ihm geführten Pkw fuhren zwei Landsmänner mit, die beide nicht über die erforderlichen Reisedokumente verfügten. Laut Bundespolizeiinspektion Selb war der mutmaßliche Schleuser bereits am Freitagmittag von Deutschland nach Tschechien gefahren, wo er die 20- und 25-jährigen Männer mitgenommen hatte.

14.04.2009, meltingpot

Lampedusa: Schweigen und stille Tragödien

Das Schweigen der Presse und der Behörden lässt das tägliche Drama, das sich auf Lampedusa abspielt, langsam aus dem Bewußtsein verschwinden. Lampedusa, das längst zu einer einzigen großen Abschiebungshaft geworden ist. Auch über andere Abschiebungsgefängnissen in Italien, in die hin und wieder heimlich ein paar der Flüchtlinge aus Lampedusa gebracht werden, herrscht Schweigen. Über die Stille der Tragödie berichten der lampedusanische Künstler Giacomo Sferlazzo und Fulvio Vassallo Paleologo. (Artikel in ital. Sprache)

14.04.2009, Kurier

Wien: Drei Kinder landeten in Schubhaft

Drei Tage lang saß ein Afghane in Wien in Schubhaft - mitsamt seiner Kinder im Alter von vier, sieben und zehn Jahren. Die aus Afghanistan geflüchtete Familie war zu Jahresbeginn nach Österreich gekommen, hatte zuvor aber schon einen Asylantrag in Griechenland gestellt. Aufgrund der Dublin-Verordnung der EU - diese sieht vor, dass jenes EU-Land für ein Asylverfahren zuständig ist, in dem erstmals ein Antrag gestellt worden ist - soll die Familie nun wieder dorthin abgeschoben werden.

12.04.2009, Comprendes

Frontex befürchtet höhere Kriminalität

Trotzdem wird die Zahl der illegalen Einwanderer gerade im Bereich der Kanarischen Inseln, des Mittelmeeres und der Ägäis weiter zunehmen. Gerade auf dem Wasserweg spielen sich viele Tragödien ab. Die Zahl der Todesopfer bei der Fahrt über das Meer nimmt erschreckend zu. Die EU investiert im Jahr 2009 allein 88 Millionen Euro für den Schutz der Außengrenzen, das sind 15 Millionen Euro mehr, als im letzten Jahr. Ob man damit das Flüchtlingsproblem in den Griff bekommt, bleibt zu bezweifeln.

11.04.2009, ANSA

Anlandung an sizilianischer Kueste

Ein Boot mit mehr als 200 MigrantInnen ist wenige Meter vor dem sizilianischen Kuestenstaedtchen Porto Ulisse angelandet. Die Praefektur von Ragusa hat die Identifizierung uebernommen. (Artikel in ital. Sprache)

10.04.2009, Romandie news

EU will Libyen im Boot

Die Europäische Kommission hat letzten Dienstag Libyen für eine engere Kooperation im Kampf gegen die illegale Immigration angefragt. Sicherheitskommissar Barrot äußerte, dass es dort jedoch Probleme gebe. "Libyen hat um finanzielle Unterstzützung gebeten, um die Südgrenze zu sichern", so Barrot. Er hatte sich mit dem libyschen Botschafter in Brüssel getroffen. "Doch darauf zu antworten ist sehr schwierig. Libyen muss den Schleppern Einhalt gebieten." (Artikel in franz. Sprache)

09.04.2009, Fortress Europe

Mutige Kapitäne

“Das ist unser Fischfanggebiet und ihre Durchfahrtszone”. Fast jeden Tag kreuzen die Fischer im Kanal von Sizilien die Boote der Migranten im Meer vor Lampedusa. Und immer öfter ersetzen sie die Küstenwache und die Marine in schwierigen Rettungsaktionen. Die letzte fand am vergangenen 28. November 2008 statt. Bei stürmischer See und acht Meter hohen Wellen sind fünf sizilianische Schiffsbesatzungen beherzt 650 Personen zu Hilfe geeilt.

08.04.2009, Kleine Zeitung, Graz

30 somalische Flüchtlinge im Meer ertrunken

Auf der Flucht aus Somalia sind am Wochenende vermutlich 30 Menschen im Golf von Aden ertrunken. Acht seien mit Sicherheit tot, 22 würden vermisst, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag in Genf mit. Ein Unglück ereignete sich demnach am Samstag, als ein mit 40 Somaliern besetztes Boot von Menschenschmugglern vor der Küste des Jemen kenterte.

08.04.2009, FAZ

Die reine Katastrophe für Deutschland

Die EU setzt zu einer neuen „Harmonisierungsstufe“ in der europäischen Asylpolitik an. Harmonisierung - das bedeutet, wie so oft, auch in diesem Fall schlicht Vereinheitlichung. Und wie oft in den vergangenen Jahren sind die Details der geplanten Neuregelungen in Deutschland kurz vor ihrer Verabschiedung heftig umstritten. Der zugrundeliegende politische Wille dagegen ist seit zehn Jahren Konsens im Europäischen Rat.

08.04.2009, fr.news

Frankreich: 5000 Schlepper sollen in 2009 in Haft

Migrationsminister Besson kündigt an, dass er für 2009 das Ziel hat, 5000 Menschen zu verhaften, die bei der illegalen Einreise oder dem illegalen Aufenthalt behilflich sind. "Jedes Jahr soll sich die Anzahl der Schlepper, die verhaftet werden, erhöhen." In 2008 wurden 4.300 Verhaftungen vorgenommen. (Artikel in franz. Sprache)

08.04.2009, This day online

Abschiebungen von Libyen nach Nigeria

Eine große Anzahl von Nigerianern ist Anfang der Woche aus Libyen abgeschoben worden. Die ca. 140 meist jungen Frauen wollten sich wohl nach Europa einschiffen. Sie wurden bei ihrer Ankunft nach der Situation in Libyen befragt. Da sie keinerlei Geld bei sich hatten benötigten sie Hilfe, um zu ihren jeweiligen Zielorten zu gelangen (Artikel in engl. Sprache)

07.04.2009, ka-news.de

Flüchtlingskatastrophe bleibt links liegen

Ein Einwurf von Stefan Jehle - Die Medienmaschinerie ist zuweilen gnadenlos: Am Mittwoch war Barack Obama beim "G20“ in London, am Freitag weilte er in Baden-Baden, Samstag und Sonntag folgten Straßburg und Prag. Die Blicke der Europäer waren auf Wirtschafts- und NATO-Gipfel gerichtet. Ganz "nebenbei" erwähnten einige Zeitungen dann noch in kurzen Absätzen, dass sich vergangenen Dienstag im Mittelmeer eine Flüchtlingskatastrophe von ungeheurem Ausmaß ereignete – eine der größten in der Geschichte.

07.04.2009, borderline greece

Griechenland: durchnässte Flüchtlinge aufgegriffen

Auf der griechischen Insel Lesbos sind heute Morgen neun Flüchtlinge aufgegriffen worden. Die wahrscheinlich aus Afghanistan stammenden Migranten im Alter zwischen 17 und 28 Jahren hatten die Insel in einem kleinen Boot mutmasslich von der gegen berliegenden türkischen Küste aus erreicht. Sie waren völlig durchnässt und ausgekühlt. Aktivisten der lokalen Hilfsorganisation "Proti Stasi" ("Erste Station") versorgten die Flüchtlinge mit Lebensmitteln, trockener Kleidung und Decken.

06.04.2009, Süddeutsche Zeitung

Pakistan: 62 Flüchtlinge in Container erstickt

Die pakistanische Polizei hat im Grenzgebiet zu Afghanistan 62 tote Flüchtlinge in einem Schiffscontainer entdeckt. Insgesamt befanden sich mehr als 100 Menschen in dem Metallcontainer auf einem Lastwagen, den Beamte am Samstag nach einem entsprechenden Hinweis kontrollierten. Viele der Überlebenden waren bewusstlos und wurden ins Krankenhaus gebracht, wie die Polizei in Quetta mitteilte. Bei den Flüchtlingen handelte es sich überwiegend um Afghanen.

05.04.2009, fr.news

Zwei Flüchtlinge sterben in Frankreich

Zwei Flüchtlinge, einer von ihnen aus Afghanistan, sind in Frankreich ums Leben gekommen. Einer starb im Tunnel, der Frankreich mit Engand verbindet. Er starb wahrscheinlich druch einen Sturz von dem Zug, auf den er aufgesprungen war. Der andere Flüchtling starb bei einem Gemenge mit einem Landsmann in einem öffentlichen Park in Paris. Im Villemin-Park treffen sich die Afghanen in Paris.

04.04.2009, Der Spiegel

Dutzende Flüchtlinge erstickt

Grausiger Fund in Quetta: Bei Versuch, in einem Schiffscontainer von Afghanistan nach Pakistan zu gelangen, sind mindestens 43 Flüchtlinge erstickt. Insgesamt befanden sich mehr als hundert Menschen in dem Metallbehälter.

04.04.2009, Deutschlandfunk

Ausgeraubt, verdurstet, versklavt

Anfang dieser Woche sind über 200 Afrikaner vor der libyschen Küste ertrunken - auf die letzten Jahre gerechnet geht die Zahl in die Tausende. Libyen ist für die Flüchtlingsströme Verkehrsknotenpunkt, auch weil die Kontrollen vor der libyschen Küste bislang dürftig sind. Ein neues Abkommen mit Italien soll das nun ändern. Ein junger Mann liegt am Straßenrand in Agadez im Norden des Niger: Durchgangsstation Tausender von Immigranten auf dem Weg nach Norden, Richtung Libyen, Richtung Europa.

04.04.2009, Süddeutsche Zeitung

Europa und die Flüchtlinge: Pontius Pilatus

Leitartikel von Heribert Prantl: "230 Flüchtlinge sind in dieser Woche im Mittelmeer ertrunken - auf der Fahrt von Libyen nach Italien. Der Zyniker denkt: Es gibt ja eh zu viele Flüchtlinge. Es redet offiziell niemand so - aber die offizielle europäische Flüchtlingspolitik ist ein Ausdruck solch zynischen Denkens: Es gibt praktisch keine Möglichkeit, legal in die EU zu gelangen. Jeder Flüchtling ist per se illegal. Die Flüchtlinge gelten als Feinde, als Feinde des Wohlstands."

03.04.2009, Kleine Zeitung

Zwei Leichen auf Migrantenboot vor Lampedusa

Die langen Meeresfahrten afrikanischer Flüchtlinge in Richtung Süditalien haben neue Opfer gefordert. Am Freitag wurde unweit der Mittelmeerinsel Lampedusa ein Flüchtlingsboot mit 76 Migranten in Sicherheit gebracht. Im Boot befanden sich auch zwei Leichen. Dabei handelt es sich um einen Mann und eine Frau, die während der mehrtägigen Seefahrt gestorben sind. Die Todesursache ist noch unklar. Die Migranten berichteten, die seien von Libyen abgefahren und mindestens drei Tage unterwegs gewesen. Zu den Flüchtlingen an Bord des Bootes befanden sich eine schwangere Frau und ein Neugeborenes, berichteten die Behörden.

03.04.2009, Reuters

Suche eingestellt, mindestens 200 Tote

Die libyschen Behörden haben die Suche nach möglichen Überlebenden eines der untergegangenen Boote eingestellt. Es sollen mehr als 200 Menschen ertrunken sein. Das Boot hatte 257 Menschen an Bord und sank durch die schlechten Wetterbedingungen vor der libyschen Küste. Es gab nur 21 Überlebende. Das Boot war eines der vier Schiffe, die am Wochenende von Libyen Richtung Italien unterwegs waren. Wieviele Migranten sich wirklich auf den Booten befanden ist unklar.

03.04.2009, L'Orient - Le Jour

Libyen: Illegalität und Anonymität

« Identität unbekannt », « afrikanischer Staatsbürger » oder « Hafenbehörde » steht auf den Hnderten von Grabplatten auf dfem Friedhof von Tripolis. Die Leichen der Migranten, die das Mittelmeer zurückgespült hat, werden ohne Trauerzeremonien und völlig anonym beigesetzt. Ironie des Schicksals: diese Gräber werde oftmals von anderen Migranten ausgehoben, die auch den europäischen Traum träumen und bereit sind, ihr Leben zu lassen. Mehr als eine Million Immigranten sind illegal in Libyen. (Artikel in franz. Sprache)

03.04.2009, Süddeutsche Zeitung

Nur 21 Überlebende

Bei der Flüchtlingskatastrophe am Montag im Mittelmeer sind offenbar mehr als 230 Menschen auf der Fahrt von Libyen nach Italien ertrunken. (...) Der italienische Innenminister Roberto Maroni hat angekündigt, sein Land werde vom 15. Mai an gemeinsame Patrouillen mit Libyen vor der nordafrikanischen Küste fahren. Beobachter bezweifeln jedoch, ob Tripolis wirklich kooperieren wird. "Wir spielen mit dem Leben von Menschen", kritisiert Bernardino De Rubeis, der Bürgermeister von Lampedusa, wo derzeit die meisten Bootsflüchtlinge ankommen. Maroni habe bereits drei Mal einen Termin für die Patrouillen angekündigt. "Die Regierung wendet ihr Gesicht ab, tut so, als ob sie nichts bemerke, und lässt die Immigranten ertrinken."

02.04.2009, Lausitzer Rundschau

Kommentar: Massengrab Mittelmeer

Das Mittelmeer gleicht immer mehr einem gigantischen Friedhof. Dabei spiegelt die jüngste Katastrophe, bei der vor Libyens Küste Hunderte Armutsflüchtlinge ertranken, nur einen kleinen Teil des täglichen Dramas auf hoher See wider. Von den meisten Fluchttragödien auf dem Mittelmeergraben, der das reiche Europa vom armen Afrika trennt, bekommt die Welt nichts mit. Manche Experten schätzen, dass nur jedes zweite Flüchtlingsboot, welches in Nordafrika ablegt, auch in Südeuropa ankommt.

02.04.2009, dpa

Bundespolizei entdeckt geschleuste Kleinkinder

Die Bundespolizei hat am Donnerstag auf der Autobahn A7 in Richtung Norden zwei Schleusungen verhindert. Beamte griffen am Vormittag bei der Kontrolle eines Wagens auf dem Rastplatz Altholzkrug (Kreis Schleswig-Flensburg) sieben Geschleuste aus Russland auf: eine 43 Jahre alte Frau mit ihren vier Kleinkindern sowie ein Geschwisterpaar (18 und 19). Bereits kurz nach Mitternacht hatte die Fahndungsgruppe Autobahn von Polizei und Zoll in einem Auto drei Frauen (27 bis 39) und einen Mann (18) aus Somalia entdeckt.

02.04.2009, Fortress Europe

Überlebende Schiffbrüchige in Libyen in Haft

Die 21 Überlebenden des Schiffbruchs vom 30.3.3009, der mindestens 230 Todesopfer gefordert hat, sind im Gefängnis. Einige werden repatriiert, einige erwartet monatelange Haft. Das bestätigte IOM Tripolis, die die Genehmigung hatten, die Überlebenden zu sehen. Sie befinden sich im Zentrum von Tuaisha, in der Nähe von Tripolis. (Artikel in ital. Sprache)

02.04.2009, Der Tagesspiegel

Finanzkrise könnte Migranten abhalten

Weltweites Entsetzen über das Unglück vor Libyen: Mehrere Hundert Bootsflüchtlinge ertrinken auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer. Doch von denen, die es in die Industrieländer schaffen, kehren nicht wenige wieder zurück. Das Unglück mit mehreren Hundert ertrunkenen Bootsflüchtlingen vor der libyschen Küste hat auf der ganzen Welt große Bestürzung ausgelöst. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sei „zutiefst entsetzt“, dass hunderte Menschen nach dem Versuch, Europa auf dem Seeweg über das Mittelmeer zu erreichen, als vermisst oder tot gelten, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung.

02.04.2009, Der Tagesspiegel

Über das Meer

Still ruht die See. Nachdem das Flüchtlingsdrama vor der Küste Libyens die Öffentlichkeit kurzzeitig aufgewühlt hat, geht inzwischen scheinbar wieder alles seinen normalen Gang. Auf der Liste der Aufreger-Themen rangiert die Wirtschaftskrise weiterhin ganz oben. Was von dem Untergang eines völlig überfüllten Flüchtlingsbootes zurückbleibt, sind verstörende Bilder geretteter Menschen, am Boden liegend, dem Tode näher als dem Leben.

02.04.2009, Der Standard, Wien

Schäuble fordert mehr EU-Engagement für Flüchtlinge

Nach dem Flüchtlingsdrama vor der Küste Libyens fordert der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble Konsequenzen. "Wir müssen diesen verantwortungslos handelnden Schleusern und Schleppern ihr menschenverachtendes und kriminelles Handwerk legen", sagte Schäuble der Tageszeitung "Die Welt". Der CDU-Politiker forderte zugleich die EU-Grenzschutzagentur Frontex zu stärkerem Engagement auch bei Rettungsaktionen auf. Schäuble sagte, die Europäer dürften nicht tatenlos zusehen, wenn Hunderte Menschen in Seenot gerieten.

01.04.2009, FOCUS online

Libyen: Suche nach Vermissten eingestellt

Die Suche nach den über 200 Flüchtlingen, die mit ihrem überfüllten Boot vergangene Woche im Mittelmeer kenterten, wurde eingestellt. Die libysche Polizei teilte mit, dass das Boot rund 50 Kilometer nördlich der Stadt Maletam gesunken ist.

01.04.2009, Deutschlandfunk

"Diese Toten sind Botschafter des großen Unrechts"

Elias Bierdel, einer der Vorsitzenden der Menschenrechtsorganisation "Borderline Europe", hat die Abschottungspolitik der Europäischen Union an den Außengrenzen für mindestens 15.000 Tote verantwortlich gemacht. Man könne diesen gewaltigen Menschenrechtsskandal nicht weiterhin ignorieren.

01.04.2009, Süddeutsche Zeitung

Mehr als 100 Leichen geborgen

Nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes haben die Behörden an der libyschen Küste bislang rund 100 Leichen geborgen. Man gehe davon aus, dass sie zu den etwa 365 Flüchtlingen gehörten, deren Boot in der Nacht zum Sonntag gekentert sei, hieß es in Behörden- kreisen. Nur wenige Menschen hatten das Unglück überlebt. Es wird vermutet, dass die tatsächliche Zahl der Toten bei mehr als 300 liegen wird. Das gekenterte Boot hatte eigentlich nur für 75 Personen Platz.

01.04.2009, Weltonline

Helfer rechnen mit neuen Katastrophen

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) rechnet mit einem wachsenden Flüchtlingsstrom nach Italien. Seit die europäische Grenzpolizei Frontex die Passage zwischen dem Senegal und den Kanarischen Inseln kontrolliere, suchten etwa Emigranten aus Mali den Weg über Libyen nach Italien, sagte der Sprecher der Organisation in Tripolis, Laurence Hart, der Turiner Tageszeitung "La Stampa" zufolge. Die ab Mai geplanten Patrouillen mit italienischer Unterstützung vor der libyschen Küste würden den Strom nicht bremsen, sondern auf andere Routen umleiten, sagte Hart.

01.04.2009, ARD-Morgenmagazin

TV-Beitrag: Flüchtlingsdrama im Mittelmeer

Hans Oechsner, ARD Rom, berichtet mit Bildern des libyschen und italienischen Fernsehens: "So verzweifelt, wie diese Menschen sind, werden sie sich auch von verstärkten Patrouillen nicht von ihrer gefährlichen Reise abhalten lassen."

01.04.2009, Passauer Neue Presse

Massengrab Mittelmeer

Das Mittelmeer ist ein Massengrab. Jedes Jahr sterben nach Schätzungen von Hilfsorganisationen Tausende Menschen bei dem Versuch, mit klapprigen Holzkähnen oder wackligen Gummibooten die italienische Küste zu erreichen. Wie viele Menschen diesen Versuch, für den sie und ihre Familien sich in der Hoffnung auf künftigen Wohlstand oft hoch verschulden, mit ihrem Leben bezahlen, weiß niemand. Oft werden nur wenige Flüchtlinge gerettet. Oft gibt es keinen Überlebenden, der von den Menschen an Bord berichten könnte. Manchmal lassen im Meer treibende Leichen oder Wrackteile eine Ahnung von Tragödien aufkommen. Manchmal verschluckt das Mittelmeer sie einfach.

01.04.2009, Frankfurter Rundschau

Analyse: Massengrab Mittelmeer

Es ist Europas bisher größte Flüchtlingskatastrophe und ein Fanal. Mit der Wirtschaftskrise werden Not und Sterben noch mehr um sich greifen. Wer hat Schuld am Tod so vieler? Diesmal der Sturm, vielleicht ein Leck in einer der Schaluppen. Auch die Schlepperbanden, die Milliarden verdienen an denen, die den Tod im Meer riskieren. Das Schlepperwesen aber blühte nicht, hegte die Politik nicht den Nährboden dafür.

01.04.2009, Süddeutsche Zeitung

Das Ende aller Hoffnungen

Hunderte Flüchtlinge sind ertrunken, der schreckliche Ruf vom Meeresfriedhof hat sich wieder einmal bestätigt: Warum der Kanal von Sizilien immer wieder zur tödlichen Falle wird.

01.04.2009, Tagesspiegel, Berlin

Hunderte Bootsflüchtlinge ertrinken im Mittelmeer

Die "Schmuggel-Saison" hat tragisch begonnen. Bei der Überfahrt erlitt ein mit 257 Menschen überladener Fischkutter Schiffbruch. Es ist eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer. 20 Menschen konnten bislang gerettet werden. Weitere Schiffe gelten als vermisst. Hilfsorganisationen schätzen, dass jedes Jahr Tausende von Flüchtlingen ertrinken.

01.04.2009, Die Presse, Wien

Libyen: Hunderte ertranken bei Flüchtlings-Tragödie

Das ganze Ausmaß der Katastrophe ließ sich Dienstagnachmittag noch nicht überblicken, aber vermutlich endete die Reise ins gelobte Land Europa für mehrere hundert afrikanische Flüchtlinge mit dem qualvollen Ertrinken. Sollten sich die Zahlen bestätigen, wäre es wohl die größte Flüchtlingstragödie bisher.