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"Menschen-Fischer" - Der Fall der 7 tunesischen Fischer: am 17. November wird das Urteil erwartet

Am 8. August 2007 wurden 7 tunesische Fischer auf Lampedusa verhaftet. Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft Agrigento Beihilfe zur illegalen Einreise vorgeworfen. Die Fischer hatten 44 Migranten gerettet, deren Boot havariert war. Lebensretter gehoeren nicht auf die Anklagebank!

Am 8. August 2007 wurden 7 tunesische Fischer auf Lampedusa verhaftet. Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft Agrigento Beihilfe zur illegalen Einreise vorgeworfen. Die Fischer hatten 44 Migranten gerettet, deren Boot havariert war. Die Flüchtlinge kamen aus dem Sudan, Eritrea, Äthiopien, Marokko, Togo und der Elfenbeinküste. Die Fischer befanden sich ca. 40 Seemeilen vor Lampedusa. Nachdem sie ein SOS abgesetzt hatten nahmen sie die Flüchtlinge an Bord – unter ihnen 2 schwangere Frauen und ein behindertes Kind, die sofort mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Palermo geflogen werden mussten. Nach der Ankunft auf Lampedusa wurden die 7 Fischer verhaftet und saßen wochenlang im Gefängnis von Agrigento. Nun riskieren sie 3 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 440.000 Euro!

Wer Leben rettet gehört nicht auf die Anklagebank!

Die Fischer haben sich nach dem gültigen nationalen und internationalem Recht verhalten, ihnen kann keinerlei Vorwurf gemacht werden. Sie haben keinerlei persönlichen Vorteil durch die Rettung erlangt, im Gegenteil, sie haben ihr Leben und ihre Arbeit auf’s Spiel gesetzt!
Der Fall der tunesischen Fischer hat einen fatalen Effekt auf andere Fischer, die nicht mehr den Mut haben, Menschenleben auf See zu retten. Das wird leider durch viele Erzählungen von Flüchtlingen dokumentiert, die es glücklicherweise geschafft haben, an unsere Küsten zu gelangen: sie berichten über Schiffe, die an ihnen vorbeigefahren sind ohne zu retten, obwohl auf den Flüchtlingsbooten die Menschen starben. Eines der bekannt gewordenen Opfer ist ein junger Somalier, der am 10. Januar 2008 von einem apulischen Fischer, der Angst vor der juristischen Konsequenzen einer Rettung hatte, ins Meer zurück geworfen wurde und ertrank.

Agrigent – 17. November 2009

15:00 Uhr Beginn der letzten Anhörung im Prozess der tunesischen Fischer, Gericht Agrigent, Via Mazzini, Saal 7

16:30 Uhr Projektion von mehreren Videos zur Geschichte der Fischer
Agrigent, Roxy Bar, Via Mazzini 132, gegenüber dem Gerichtsgebäude

18:00 Uhr Verlesung des Urteils,
Gericht von Agrigent, Via Mazzini, Saal 7

18:30 Uhr Pressekonferenz mit Rechtsanwalt Leonardo Marino und Professor Fulvio Vassallo Paleologo (Asgi Sicilia), Roxy Bar.

Humanitäre Hilfe ist kein Verbrechen!

“In einer Zeit, in der Italien und Europa sich immer mehr in die Kriegspolitik gegen Flüchtlinge hineinzusteigern scheinen”, so Professor Vassallo Paleologo (ASGI), “in der sogar die Rettung verweigert und kollektiv in diktatorische Staaten wie Libyen abgeschoben wird ist es umso wichtiger, den Ausgang dieses Prozesses zu verfolgen. Die Unschuld der Fischer muss immer wieder betont werden, auch im Namen der Tausende von Opfern, die der „Kampf gegen die illegale Migration“ fordert.“

Die Verteidigung der Menschenrechte ist eine Pflicht, denn sie gehen uns alle an!
Schluss mit der Kriminalisierung derer, die Menschenleben retten!
Wir fordern den uneingeschränkten Freispruch der Angeklagten!

gez. Dott.ssa Germana Graceffo – Borderline Sicilia
gez. Avv. Giovanni Annaloro – Asgi sezione Sicilia
gez. Dott.ssa Judith Gleitze – borderline-europe

Kontakte und Informationen:
Borderline Sicilia +39-331-204 80 44, ger.gra@libero.it
Asgi sezione Sicilia +39-338-700 06 82, studiolegaleannaloro@virgilio.it
borderline-europe +39-340-980 21 96, jg@borderline-europe.de