Von den deutschen Medien konsequent ignoriert, schleppt sich auf Sizilien seit Monaten der Prozess dahin. Die Mühlen der italienischen Justiz mahlen langsam. Zumindest publizistisch ist es Elias Bierdel indes gelungen, sich glänzend zu verteidigen und in einem bei allem Engagement dennoch sehr sachlichen Buch den Verlauf der Affäre zu schildern.
Erbaulich ist dieses Buch nicht - lesenswert aber unbedingt. Elias Bierdel lenkt den Blick auf den "Blinden Fleck" Europas. Am Fall der "Cap Anamur" hat er detailliert beschrieben, was vor den Küsten Italiens und Spaniens vor sich geht. Und ihm gelingt es, an dieser Geschichte zu verdeutlichen, dass es sich bei den Ertrinkenden an der "blauen Grenze" keineswegs um seltene Einzelfälle handelt, sondern um den dramatischen Alltag.
In seinem Buch erzählt Elias Bierdel nun die ganze Geschichte der "Cap Anamur" aus seiner Sicht – vom Umbau im Lübecker Hafen bis zur Beschlagnahme in Porto Empedocle auf Sizilien. Der Autor will damit an tausende Flüchtlinge erinnern, die bisher beim Versuch, von Afrika nach Europa zu gelangen, den Tod gefunden haben.
Bierdel schildert in beeindruckender Weise, welchen Druck die damalige italienische Regierung auf die Besatzung des Schiffes und die Flüchtlinge mit Hubschraubern und Schnellbooten ausübte. Sie wollte ein Exempel auf Kosten der Bootsflüchtlinge statuieren: Wer sich anmaßt, Flüchtlingen in Seenot zu helfen, muss mit Strafen rechnen. [..] Unabhängig davon macht das Buch vor allem eines deutlich: Die Notwendigkeit eines neuen – nicht auf Abwehr gerichteten – Konzepts für die Aufnahme und Behandlung von Mitgranten und Flüchtlingen an den EU-Außengrenzen, das mit menschenrechtlichen Standards vereinbar ist.
Tagebuchartig aufbereitet und mit bisher unveröffentlichten Bildern und Dokumenten illustriert, liest sich das Buch auch als Klageschrift gegen die Fallstricke und Absurditäten des europäischen Asylrechts. Mit "Das Ende einer Rettungsfahrt" setzt Bierdel vorerst einen Schlusspunkt unter eine Rettungsaktion, deren Ende vor Gericht für die einen die Quittung für eine "medienwirksame Inszenierung" einer Tragödie und für die anderen schlichtweg ein "Skandal" in einer verfehlten europäischen Flüchtlingspolitik ist.
Bierdel ist um Präzision bemüht. Die Genauigkeit seiner Darstellung stellt den Vorwurf des kommerziellen Menschenhandels in seiner ganzen Absurdität bloß. Eines wird in diesem Buch deutlich: Bierdels Empörung ist echt – ihm ging es nicht um persönliche Profilierung, sondern darum, dass wir bei dem tausendfachen, anonymen Sterben auf dem Mittelmeer nicht wegsehen dürfen. Seine offen ausgesprochene Wut entspringt einer tiefen Moral. Dass gerade dies ihn in einem manchmal zynischen Medienwesen angreifbar macht, ist traurig. Denn solche wütende Stimmen sind selten geworden. Leider!
Recherchiert wurde bei den Augenzeugen wenig bis gar nicht. Alle großen Medien inklusive den wichtigen deutschen Qualitätszeitungen verließen sich auf die Darstellungen der deutschen und italienischen Behörden. Diese verbreiteten damals Unwahrheiten über die Rettungsaktion, um Bierdel und später auch Hilbert zu diskreditieren.
Im Buch "Ende einer Rettungsfahrt" findet man einige dieser Unwahrheiten rekonstruiert und widerlegt.
In zwei Wochen wird der Fall "Cap Anamur" in Sizilien neu aufgerollt. Angeklagt ist auch Elias Bierdel, Chef der gleichnamigen Kölner Hilfsorganisation. Nun hat er seine Sicht der Dinge in ein Buch gepackt.
Der Ex-"Cap Anamur"-Vorsitzende Bierdel beklagt eine Politik des Wegsehens. Bei aller Subjektivität ist das Buch eine erschütternde und ernstzunehmende Darstellung vom Schicksal afrikanischer Flüchtlinge.
Libyen hat eine Massenbefreiung der inhaftierten Migranten vorgenommen. Nicht nur die 205 inhaftierten Eritreer in Braq wurden entlassen, sondern auch 2800 weitere Flüchtlinge und Migranten. Alle haben eine Aufenthaltserlaubnis für drei Monate erhalten, um sich Arbeit in Libyen zu suchen.
Ukraine. Flüchtlinge auf dem Weg nach Westeuropa werden immer häufiger von der ukrainischen Grenzpolizei gefasst und inhaftiert. Die Fotografin Dörthe Hagenguth reiste mithilfe eines VG-Bilkunst-Stipendiums mehrfach in die ukrainischen Karpaten und dokumentiert die Situation mit Bildern und Interviews in einer Slideshow.
Dankesrede von Elias Bierdel zur Verleihung des Ute Bock-Preis für Zivilcourage
Elias Bierdel erhielt im Januar 2010 den Ute-Bock-Preis für seine Organisation Borderline Europe – Menschenrechte ohne Grenzen, mit der er auf das Massensterben an den europäischen Außengrenzen aufmerksam macht.
Mohammed Yussif war einer der 37 Geretteten von der "Cap Anamur". Im April 2006 starb er mit zwanzig weiteren Flüchtlingen bei einem erneuten Versuch nach Europa zu gelangen, als ihr Boot im Sturm vor Lampedusa kenterte.